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Herausforderungen des demografischen Wandels für ostdeutsche Klein- und Mittelstädte im ländlichen Raum
Unter diesem Titel fand am 14. Juli 2010 in Stendal im Rahmen der Internationalen Bauausstellung eine sehr informative Fachtagung statt, organisiert durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Dem Veranstalter Dr. Steffen Maretzke war es gelungen, interessante Beiträge zusammenzustellen sowie dafür zu sorgen, dass sie kurz und anregend präsentiert wurden. Dadurch wurden die Bandbreite der Probleme und die Vielfalt ihrer Lösungsansätze gut sichtbar. In ländlichen Regionen sind es Klein- und Mittelstädte, die die Siedlungsstruktur prägen. In ihnen lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland. Sie sind regionale Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Verwaltungszentren. Fast ein Drittel aller Klein- und Mittelstädte sind aktuell von Schrumpfung betroffen, nicht nur - aber vor allem im Osten. Wie kann und muss die Daseinsvorsorge unter diesen Bedingungen gesichert werden? Martin Spangenberg vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung machte deutlich, dass diese Orte als „Ankerpunkte der Daseinsvorsorge“ gestärkt werden müssen – vor allem durch interkommunale Kooperation. Zur Sicherung der Infrastrukturversorgung müssen Städte und Gemeinden sich über gemeinsame Versorgungseinrichtungen abstimmen. Darauf zielt ein Handlungsschwerpunkt des neuenStädtebauförderungsprogramms ab: „Förderung kleiner Städte und Gemeinden“.In den Berichten über Modell- und Forschungsprojekte, über Ideen und gelungene Beispiele wurden Lösungsansätze deutlich. Das beinhaltet die Veränderung des Öffentlichen Nahverkehrs und die Berücksichtigung anderer Mobilitätslösungen (Bürgerbus, Rufbus, Einbindung von Taxen) genauso wie die Schaffung von Knotenpunkten für Versorgung und Dienstleistungen aller Art bzw. auch die Einbindung der Handwerker in die Gestaltung des demografischen Wandels vor Ort. In Forschungseinrichtungen, Architektenbüros, Handwerkskammern wird getüftelt, wie die Lösungen der Zukunft aussehen könnten.Sollen vorhandene Gebäude zu multiplen Häusern für Dienstleistung und Nachbarschaft umgebaut werden oder ein regionales Handels- und Produktionssystem nach Art des Containertransportes entstehen? Sollen der Händler oder die Kosmetikerin auch zum Berater für Wohnraumanpassung werden oder andere Dienstleistungen mit erbringen?
Es ist eine sehr spannende und wichtige Diskussion, die hier im Gange ist und unbedingt fortgeführt werden muss. Für die Bewältigung dieser Herausforderungen gibt es keine Lehrbücher und Rezepte! Gelungene Lösungen müssen Verbreitung finden. Eine durchgängige Erkenntnis auf der Fachtagung war die Bedeutung des Engagements der Bürger vor Ort als wesentlichen Standortfaktor, die Verwirklichung von Bürgerbeteiligung als Strategie! Das ist auch unser Ansatz – verbesserte Wohnbedingungen für Menschen im Alter können nur gemeinsam durch Bürger, Politik und Wirtschaft entstehen. Dr. Ingrid Witzsche